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14.07.2020
Kreisdirektor Theo Melcher möchte Landrat werden
Interview zur Kommunalwahl am 13. September

Herr Melcher, das Thema Gesundheitsversorgung hat einen hohen Stellenwert, nicht nur für Seniorinnen und Senioren. Was wollen Sie dafür tun?

Zunächst möchte ich das aktuell nach wie vor die öffentliche Diskussion beherrschende Thema „Corona“ ansprechen. Gerade dieses unheilvolle Virus hat mir gezeigt, dass wir uns auf unsere Behörden verlassen können. Es ist gute Arbeit geleistet worden. Das gilt für die Bundes- und Landesregierung und auch für den Kreis Olpe. Wir müssen uns nun wohl auf eine längere Zeit „mit Corona“ einrichten. Auch wir als Kreis Olpe mit unserem Gesundheitsamt. Dieses möchte wir personell so aufstellen, dass jederzeit gut und richtig gehandelt werden kann – insbesondere bei einer anwachsenden Lage mit einer Häufung von Infektionen.

Darüber hinaus gilt es, die gesundheitliche Versorgung insgesamt „krisenfest“ zu machen.

Denn die Menschen in unserem Kreis haben auch alltägliche Fragestellungen, wenn es um das Thema „Zukunft der ländlichen Gesundheitsversorgung“ geht.

Bleibt die Arztpraxis in meinem Dorf erhalten? Was ist, wenn der Doktor keinen Nachfolger findet? Wo ist die nächste Fachärztin, der Facharzt? Schließen bald nicht auch bei uns Krankenhäuser? Wer kümmert sich um mich, wenn ich alt und gebrechlich bin?

Gerade Corona hat gezeigt: Es geht um mehr als nur um einen wirtschaftlichen Betrieb von Praxen und Krankenhäusern. Es geht um unerlässliche Infrastruktur, es geht um einen wichtigen Baustein staatlicher Daseinsfürsorge. Es geht um eine adäquate Versorgung mit ambulanten und stationären Gesundheitsleistungen. Das muss unsere Zielsetzung sein.

 Wir erleben gerade einen immensen wirtschaftlichen Einbruch. Welche Auswirkungen sehen Sie – auch auf die kommunalen Finanzen?

Der durch Corona bedingte Einbruch unserer Wirtschaft ist beispiellos. Es ist wohl der größte in unserer Nachkriegsgeschichte. Dieser Einbruch wird möglicherweise langwieriger sein, als viele hoffen. Ich befürchte vor allem, dass exportorientierte Unternehmen insbesondere im Bereich Automotive darunter zu leiden haben. Ganz zu schweigen von der Hotellerie und Gastronomie. Hier hat es über Wochen Totalausfälle gegeben. Diese lassen sich nicht aufholen. Auch die Einschränkungen bei Veranstaltungen führen zu nachhaltigen Verlusten. Zudem gibt es eine erkennbare Zurückhaltung vieler Menschen, wenn es um den Restaurantbesuch geht.

Für die Kommunen gibt es ein wenig Licht am Ende des Tunnels. Bund und Land haben die für die kommunalen Finanzen insbesondere bei der Gewerbesteuer drohenden Ausfälle zunächst durch einen Kraftakt finanziell kompensiert. Das wird uns in 2020 sicher helfen.

Wir wollen die Veränderungsenergie, die Corona in Gesellschaft und Wirtschaft an den Tag gelegt hat umkehren: für einen wirtschaftlichen Wiederaufschwung und gesellschaftliche Verbesserungen. So können wir die mehr als 200 jährige Erfolgsgeschichte des Kreises Olpe fortschreiben und unsere Zukunft gestalten!

 Viele junge Leute fordern mehr Klimaschutz. Teilen Sie das - und was wollen Sie tun?

2020 wird möglicherweise das dritte Dürrejahr in Folge sein. Mit schon deutlich absehbaren Folgen für unsere Forstwirtschaft hier im Sauerland. Der Borkenkäfer beseitigt nachhaltig unsere Fichtenkulturen.

Nicht nur junge Menschen fordern mehr Klimaschutz. Es ist ein Anliegen sowohl der Europäischen Union als auch der Bundesregierung. Klimaneutralität ist eine klare Zielsetzung. Zu Recht! Es geht um die christliche Verantwortung zur Bewahrung der Schöpfung!

Auch unsere Kreisverwaltung mit all ihren Einrichtungen wollen wir klimaneutral machen.

In verschiedenen Handlungsfeldern, wie etwa Abfallwirtschaft, Liegenschaften, Beschaffung und Mobilität werden Treibhausgasemissionen zu reduzieren bzw. zu kompensieren sein. Dazu sollen entsprechende Konzepte erarbeitet und beschlossen werden.

 Welches Thema wollen Sie vorrangig noch angehen?

Ein wichtiges Anliegen ist mir die Verbesserung der Verwaltungsleistungen, sprich Bürgerservice, in Zeiten zunehmender Digitalisierung.

Glasfaser in den Gewerbegebieten und möglichst für alle Haushalte ist Voraussetzung für eine Transformation der Gesellschaft ins digitale Zeitalter. In der notwendigen Infrastruktur hatten und haben wir Nachholbedarf. Doch einiges ist getan! Aktuell steht eine Vergabe im 6. Förderaufruf des Bundes an. Damit und den bereits laufenden Arbeiten aus dem 1. Call haben wir einiges erreicht: Knapp 12.000 Haushalte, 66 Gewerbegebiete und 46 Schulen werden davon profitieren.  

Und eine große Telekommunikationsgesellschaft hat angekündigt, mehr als 30.000 Haushalte im Kreis Olpe mit Glasfaser zu versorgen.

Wir sind also auf gutem Wege – was die Infrastruktur anbelangt!

Doch was ist mit den Dienstleistungen? Wann waren Sie zuletzt an einem Bankschalter, um Geld abzuholen oder eine Überweisung zu tätigen? Ich bin sicher, die meisten von uns nutzen den digitalen Service.

Das Internet macht es möglich. Von zuhause oder unterwegs erreichen wir unsere Banken und andere Dienstleister. Deren Angebote nehmen wir recht einfach in Anspruch, rund um die Uhr. Das Internet kennt keine Öffnungszeiten!

Wir wollen das digitale Angebot auch in der Verwaltung ausbauen und Leistungen möglichst einfach und medienbruchfrei zur Verfügung stellen.

Bürgernähe darf dabei jedoch nicht verloren gehen. Deshalb ist uns ein persönlicher Ansprechpartner für die Anliegen der Bürgerinnen und Bürger wichtig.

Ob online oder offline: Ich möchte die Kreisverwaltung Olpe in den nächsten fünf Jahren zu einer noch serviceorientierteren Kreisverwaltung machen!

 Herr Melcher, man kennt Sie als langjährigen Kreisdirektor. Was erzählen Sie uns über sich selbst?

-              geboren 1960 in Fretter, Gemeinde Finnentrop

-              verheiratet, drei erwachsene Kinder, ein Enkelkind

-              Studium Rechtswissenschaften Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

-              1986 Erstes juristisches Staatsexamen

-              Referendariat am Landgericht Siegen

-              1990 Zweites juristisches Staatsexamen

-              1990 Dienstantritt beim Kreis Olpe als Justiziar

-              1991 Leiter des Umweltamtes

-              seit 1997 Kreisdirektor des Kreises Olpe

Gern wandere ich in der Heimat – und auch anderenorts. Auch mal höher hinaus, wenn der Berg denn ruft. Ein 4.000er muss es allerdings nicht mehr sein. Das Doppelkopfspielen hat es mir auch angetan, von Jugend an.

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